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Vom Zirbitzkogel hinunter nach Zeutschach (St. LRWW, Teil 9)

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Der erste Höhepunkt am höchsten Punkt unserer Wanderung kommt früh. Um 5.53 Uhr nämlich. Wecker stellen wäre dafür nicht notwendig gewesen – schon 40 Minuten davor springt das gesamte Matratzenlager auf, um den Wandertag mit einem herrlichen Sonnenaufgang am Zirbitzkogel zu beginnen. Der enttäuscht nicht – und danach schmeckt das Hüttenfrühstück (mit Spiegelei!) umso besser. Das brauchen wir auch, denn noch wissen wir nicht, welcher ungeplante Gewaltmarsch uns noch bevorsteht.

   
 1529 Höhenmeter gilt es hinab nach Neumarkt (847 Meter Seehöhe) zu steigen, der Landesrundwanderweg führt erst steil über Geröll und Almboden, dann aber bald über eine in angenehmen Serpentinen fallende Forststrasse (Weg Nr 315). Viele, viele Serpentinen. „The Long and Winding Road“ im Ohr, gehen wir eine gefühlte Ewigkeit (3,5 Stunden) hinunter in die Ortschaft See und freuen uns schon auf das in der Karte eingezeichnete „Seestüberl“ und den dort servierten köstlichen Eiskaffee, von dem wir 1000 Höhenmeter lang fantasiert haben. 

   
   
Den See von See gibt es noch, das Stüberl ist allerdings Geschichte. Badeanlage und Spielplatz sind verlassen – nur ein einsamer Rasenroboter fährt im Garten seine Runden und gibt nicht auf, auch wenn  er ständig gegen die Wand fährt. Hauptsache: See! Wir erfrischen uns im kalten Wasser, sonnen uns am Steg und legen eine ausgedehnte Müsliriegelpause ein. Und ahnen noch immer nicht, dass der 2-Stunden-Marsch nach Neumarkt zur Nervenprobe werden wird.

   
 Weil es drückend heiß ist, entscheiden wir uns für einen alternativen Weg durch den Wald nach St. Georgen – der allerdings so gut wie unmarkiert ist und immer wieder ins Leere führt. Viele Male gehen wir zurück und starten neu – bis es uns zu bunt wird, und wir (von riesigen Eisbechern in Neumarkt träumend) einfach quer durch den Wald stechen. Als wir den Weg irgendwann doch wieder finden, stellt sich uns dann noch eine Horde neugieriger Jungstiere in den Weg. Als sie plötzlich auf uns zukommen, flüchten wir über den Zaun hinaus – dann landen wir in riesigen Brennnesselbüschen und kommen uns nicht mehr ganz so heldenhaft vor wie am Tag unserer Ankunft am Zirbitzkogel.

  
Viele Liter Schweiß später landen wir endlich in Neumarkt. Die restliche Strecke ins wunderhübsche  Zeutschach sparen wir uns nach der Tor-Tour und fahren mit dem Bus. Und für wenigstens ein Schleckeis ist auch noch Zeit.

  
Eine Nacht lang machen wir Urlaub am Bauernhof und fühlen uns gleich wohl – eine herzliche Familie, zehn Tage alte Kälber, die Milch aus Kübeln nuckeln,  umherstreifende Katzenkinder. Das Bier beim Seidlwirt ist eine angemessene Belohnung. Während wir sogar für eine Nachspeise viel zu müde sind, versuchen an den Tischen um uns die Kellner, den vielen Gästen aus Italia die Speisekarte zu erklären („Des is der mit die Strawberry, handmade“).

   
 

Autor: Nina Müller

Leute-Redakteurin der Kleinen Zeitung Steiermark.

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