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Vom Schiestlhaus bis zur Seebergalm (St. LRWW, Teil 24)

Es bleibt traumhaft, nach einer riesigen Mütze Schlaf bekommen wir im Schiestlhaus am Hochschwab ein famoses Frühstück mit Eierspeis, gebratenem Speck, Getreidebrei im Glas oder selbstgemachtem Nusshonig (1000 Mal besser als Nutella) kredenzt. Superstart in den nächsten Traumtag. Da die Wetterprognosen super sind, entscheiden wir uns für den längeren, aber unfassbar schönen Weg über die Staritze.

Es beginnt tierisch: unerschrockene Steinböcke kratzen sich fast in Greifweite mit ihren Hörnern am Rücken (dafür sind die also da!), sonnen sich und schauen unbeeindruckt ob der Wanderer. Wir zählen bestimmt 50 Böcke in der nächsten Viertelstunde. Einmal versperren sie uns den Weg und wirken auch nicht so, als würden sie gleich aufstehen, bis einer, der wohl mächtigste unter ihnen, einen Pfiff (!) auslöst: dann steigt der Rest kurz ein paar Meter weiter, um uns vorbei zu lassen.

Hey, wer bist denn du? So nah kommt man den Steinböcken am Hochschwab

Hey, wer bist denn du? So nah kommt man den Steinböcken am Hochschwab

Wir wandern mit vielen Pausen des Staunens und Schauens weiter – jede Kurve eröffnet über 2000 Meter neue spektakuläre Aussichten auf die nächsten Bergkämme, Gipfel, Schluchten oder Kogel. Man könnte hier wohl ewig weiterwandern. Über Ochsenreichkar, Ringkarwand und niedere Scharte spazieren wir leichtfüßig über Almböden, Schneefelder und eng an die Felsen geschmiegte Steine.

Spektakuläre Aussichten wechseln sich ab - stundenlang geht es so weiter

Spektakuläre Aussichten wechseln sich ab – stundenlang geht es so weiter

Zwischendurch pflanzen wir uns ins Gras und schauen einfach runter, hören Murmeltiere pfeifen (eines sehen wir sogar) und sehen immer wieder Steinbockhörner, die hinter Kuppen auftauchen.

Immer wieder tauchen Steinbock-Hörner auf

Immer wieder tauchen Steinbock-Hörner auf

Irgendwann – nach Stunden des Gehens – müssen wir auch wieder runter. Der Abstieg über den Karl ist steil, schwierig und rutschig. Und dann müssen wir noch eine gefühlte Ewigkeit zu unserem Quartier auf der Seebergalm hatschen. Da hilft auch die Aussicht auf das Weitwanderdenkmal nicht weiter – hier kreuzen sich nämlich die Europäischen Fernwanderwege E4 (vom portugiesischen Kap St. Vincent nach Zypern) und E6 (von Kilpisjärvi im Nordwesten von Finnland zu den Dardanellen, der Meerenge in der Türkei). Und plötzlich werden wir nach drei Tagen Natur pur direkt an der Schnellstraße B20 ausgespuckt – was für ein Kontrast.

Hier müssen wir noch hinunter - Seewiesen bzw. die Seebergalm (links)

Hier müssen wir noch hinunter – Seewiesen bzw. die Seebergalm (links)

Das Weitwandererdenkmal auf der Seebergalm. Hier kreuzen sich die Europäischen Fernwanderwege E4 und E6

Das Weitwandererdenkmal auf der Seebergalm. Hier kreuzen sich die Europäischen Fernwanderwege E4 und E6

Weitwanderdenkmal Seebergalm: Der Künstler hat interessante Vorstellungen von Weitwander-Outfits. Besonders die Clutch für die Dame ...!

Weitwanderdenkmal Seebergalm: Der Künstler hat interessante Vorstellungen von Weitwander-Outfits. Besonders die Clutch für die Dame …!

Abends dann: eine schöne extralangen Dusche. Nach drei Tagen Wandern ohne auch dringend notwendig. Dazu tischt Bodenstation-Hüttenwirt Hans Thüringer „Bergsteiger-Eintopf“ (der sich als ostdeutsch-russische Soljanka entpuppt), ein ausgezeichnetes Kellerbier aus seiner Heimat und Frankfurter Würstel auf. Weitwanderinnenherz: was willst du mehr?

Soljanka bekommt man in der Obersteiermark auch nicht alle Tage

Soljanka bekommt man in der Obersteiermark auch nicht alle Tage

Autor: Nina Müller

Leute-Redakteurin der Kleinen Zeitung Steiermark.

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