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Von der Seebergalm auf die Hohe Veitsch (St. LRWW, Teil 25)

Drei fantastische Tage am Hochschwab liegen hinter uns, vielleicht überhaupt der Höhepunkt des gesamten steirischen Landesrundwanderwegs. Wenn auch nicht der höchste Punkt: Das war nämlich der Zirbitzkogel, mit 2396 Metern um 119 Meter höher als der majestätische Hochschwab.

Jetzt geht’s immer weiter Richtung Osten. Bevor der Weg das Mürztal quert, machen wir aber noch einen Abstecher auf die Hohe Veitsch (1981 Meter). Da unser Wetterglück der letzten Tage schon unwahrscheinlich war, werfen wir am vierten Tag der Etappe aber immer wieder skeptische Blicke gen Himmel – je nach Wettermodell könnte es schon am frühen Nachmittag, wahrscheinlicher aber am Abend schwere Regenfälle samt Gewitter und Hagel geben. Allzu weit ist unsere nächste Etappe nicht, wir gehen einfach einmal los und schauen, was das Wetter so bringt.

Göriacher Alm

Göriacher Alm

Weiterhin unser Begleiter: Der Nord-Süd-Weitwanderweg 05 - vom Nebelstein über den Hochschwab nach Eibiswald

Weiterhin unser Begleiter: Der Nord-Süd-Weitwanderweg 05 – vom Nebelstein über den Hochschwab nach Eibiswald

Vom drohenden Gewitter ist über lange Zeit überhaupt nichts zu sehen. Wir wandern gemütlich auf Waldwegen und Forststraßen über die Göriacher Alm und die Turnauer Alm zum Fuß der Veitsch, wo der Landesrundwanderweg eigentlich via Teufelssteig auf den Berg führen sollte. An der Rotsohlalm angekommen, sind unheilschwangere ziemlich dunkle Wolken über dem Gipfel zu sehen. Wir zaudern und stärken uns erstmal mit einem ordentlichen Brot.

Das Top-Gesprächsthema in der Veitsch-Region sind an diesem Tag übrigens die Edlseer, die zugleich auf Mariazell-Wanderschaft sind und die ihre Wege mit unserem fast kreuzen. Wir sehen uns schon bei unfreiwilliger Musikbeschallung auf der Hütte eingeschlossen, erfahren dann aber, dass die Gruppe nur über Kleinveitsch gegangen ist. Puh!

1A Braten- und Käsebrot auf der Rotsohlalm

1A Braten- und Käsebrot auf der Rotsohlalm

Aufsteigen oder nicht? Ein Wetterbericht wäre jetzt hilfreich, wir befinden uns aber nach wie vor in einem Funkloch. Also schieben wir die Entscheidung noch hinaus und gehen weiter am Fuß der Veitsch zur Schalleralm, wo es einen weiteren Weg auf den Gipfel gibt. Unterwegs erreichen wir endlich die beiden Hobby-Wetterexperten aus unserer Kollegenschaft, die uns versichern, dass in der Nähe unseres Bergs derzeit noch keine Gefahr droht. Also: Nix wie rauf – in 90 Minuten sollte der Aufstieg gut zu schaffen sein.

Nix wie rauf auf die Hohe Veitsch!

Nix wie rauf auf die Hohe Veitsch!

Der Schallerweg führt in 14 Serpentinen hinauf auf die Hohe Veitsch. Wir lassen den Skilift und die Kuhweide rasch hinter uns, dann geht es die meiste Zeit auf einem bestens präparierten Schotterweg über summende Blumenwiesen bergauf.

Über summende Blumenwiesen am Schallerweg bergauf

Über summende Blumenwiesen am Schallerweg bergauf

J.s große Sorge vor Begegnungen mit Kreuzottern am „Schlangenberg“ bleibt unbegründet. Obwohl: Ein Wanderer, der uns mit seinem Hund entgegenkommt (der übrigens sein eigenes Traggeschirr für Leckerli dabei hat, das nur nebenbei) hat soeben zwei Exemplare gesehen … Wir kommen aber schlangenfrei und flotter als gedacht am Berg an. Ziel für heute Abend ist das Graf-Meran-Haus unter dem Hochschwabgipfel.

Graf-Meran-Haus

Graf-Meran-Haus – oben sieht man ganz winzig das Gipfelkreuz der Hohen Veitsch

Jetzt gibt’s erst einmal eine Radler-Belohnung, und da immer noch keine ganz gefährlich aussehenden Wolken zu sehen sind, gehen wir noch weiter auf den Gipfel hinauf. Es lohnt sich: Der Aufstieg ist einfach, das Panorama wunderbar – wir blicken auf ein Meer an Bergen.

Am Gipfel der Hohen Veitsch

Am Gipfel der Hohen Veitsch

Bergpanorama auf der Hohen Veitsch

Bergpanorama auf der Hohen Veitsch

Die tolle Aussicht lässt uns vielleicht ein wenig übermütig werden: Wir drehen noch eine extra Runde am Berg und spazieren – endlich einmal rucksackbefreit – über das Plateau. Dann müssen wir uns aber beeilen: Es beginnt zu tröpfeln. Wir ahnen nicht, dass nur zwei Täler weiter, in Birkfeld, schon ein schweres Unwetter tobt. Kaum in der Hütte angekommen, hagelt es ordentlich. Das Wetterglück ist uns weiterhin hold gewesen.

Veitsch: Durchs Fenster beobachten wir den Hagel

Veitsch: Durchs Fenster beobachten wir den Hagel

Bei ein paar alkoholischen Getränken zu viel verbringen wir aber noch einen sehr lustigen Abend: Der Hüttenwirt unterhält uns – neben uns beiden sind auch noch zwei Weitwanderinnen aus Wien und ein Solo-Weitwanderer aus Oberösterreich da – mit großartigen Anekdoten über seine Moped-Fahrt nach Santiago de Compostela und über Berg-Kater Kain („Der ist dienstlich da“). Und was die Schlangen angeht … „Heuer sind so viele wie überhaupt nie, ich sehe ständig welche“, erzählt der Wirt. Da wird auch den Wienerinnen zumute – vor ein paar Stunden sind sie noch barfuß am Almboden herumspaziert …

Das Dream Team vom Graf-Meran-Haus:  Hüttenwirt Georg Troiss und Kater "Kain"

Das Dream Team vom Graf-Meran-Haus: Hüttenwirt Georg Troiss und Kater „Kain“

Am nächsten Tag ist dann aber leider nicht viel zu machen: Es regnet, es regnet, es regnet. Den ganzen Tag. Wir entscheiden uns, die lange Wanderung nach Krieglach, mit der wir das heurige Wanderjahr abschließen wollten, sein zu lassen. Der Plan für heute: Rein in den Poncho, runter zur Brunnalm und ab ins Taxi, in den Zug und heim nach Graz.

Poncho-Parade: Gut eingepackt geht's wieder runter vom Berg

Poncho-Parade: Gut eingepackt geht’s wieder runter vom Berg

Glücklicherweise ist der Abstieg ja nicht schwer: Wir wählen den selben Weg, über den wir schon hinauf gekommen sind. 90 Minuten später löffeln wir schon Suppe im Gasthaus Scheikl, von wo aus uns das Taxi – spezialisiert auf Mariazell-Wanderer, die sich zwischen Stanglalm und Veitsch hin und her (aber größtenteils natürlich hin!) bringen lassen – zum Zug bringt. Eine Stunde später: Großstadt-Entfremdungsgefühle am Hauptbahnhof.

Abstieg von der Hohen Veitsch: Wir sind die Wolke!

Abstieg von der Hohen Veitsch: Wir sind die Wolke!

To be continued … Die nächsten Etappen werden uns noch über Stuhleck, Hoher Wechsel und dann die ganze Oststeiermark wieder nach „unten“, nach Radkersburg und weiter ans Ziel nach Ehrenhausen führen. „A brada Weg“, wie man so sagt …

Autor: Nina Müller

Leute-Redakteurin der Kleinen Zeitung Steiermark.

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